Herzogtum Transysilien

Mit dem Tod Galottas 1027 BF fand auch die Ordnung in seinem Dämonenkaiserreich ihr Ende. Die Macht entfi el auf drei seiner Gefolgsleute, die sich im Triumvirat von Yol-Ghurmak zusammen schlossen. Die neuen Herrscher Transysiliens unterscheiden sich vom Wesen her, vor allem aber in ihren Zielen grundsätzlich. Arngrimm von Ehrenstein m.H., gesalbter tobrischer Herzog von Borbarads Gnaden, herrscht als Tyrann über das Land und verfolgt dabei durch und durch irdische Ziele, wie das Niederschlagen des verhassten Gegenherzogs Bernfried und eine Konsolidierung
seiner Macht. Der uralte Magier Balphemor von Punin weiß dies zu nutzen. Er versteht es, Arngrimm in einer Abhängigkeit sowie innerhalb gewisser Schranken zu halten, indem er ihn – nach eigenem Gutdünken – mit einem Trank versorgt, der dem Herzog die Kontrolle über sein Werwolfdasein verleiht. Balphemor selbst durchreist das Land auf der steten Suche nach magischen
Geheimnissen und mysteriösen Orten. Im Gegensatz hierzu verlässt Leonardo der Mechanicus, nunmehr Träger des Agrimoth-Splitters, die Dämonenschmieden von Yol-Ghurmak kaum einmal und frönt ganz und gar seinem wahnsinnigen Forscherdrang.

Unter diesen Voraussetzungen bleibt es weitgehend Arngrimm überlassen, das ehemalige Kaiserreich zu regieren; eine Verpflichtung, der er mit zunehmendem Eifer und spürbarem Erfolg nachkommt. Dabei stützt er sich vor allem auf einen erstarkenden Adel von seinen Gnaden. Seine Grafen, Barone und Ritter genießen in ihren Lehen beinahe unumschränkte Macht und gebärden sich gerne ebenso tyrannisch wie ihr Herzog. Das transysilische Volk nimmt es hin. Immerhin sind viele der neuen Herrscher alte Bekannte. Zudem setzt langsam eine allgemeine Verbesserung ein, denn das Land beginnt Anzeichen von Erholung zu zeigen. Die Macht des Agrimothsplitters, der ehedem ganz Transysilien in seinem Bann hielt, ist in den Fingern Leonardos so sehr in Anspruch genommen, dass sein Einfluss auf Transysilien spürbar schwindet.

 

Die Sonnenmark

Die sogenannte Sonnenmark erstreckt sich nominell in den Grenzen der Markgrafschaft Beilunk, die im Süden und Osten an den Golf von Perricum grenzt, im Norden an die ehemalige Markgrafschaft Warunk und die ehemalige Grafschaft Mendena des Herzogtums Tobrien. Die Sonnenmark gilt als eine der regenreichsten Gegenden des Mittelreichs. Im Winter fällt wegen der Nähe des warmen Golfs zwar selten
Schnee, aber die Regenmassen und der stetig bleigraue Himmel zeigen dennoch, das Herbst und Winter Einzug gehalten haben. Das Radromtal – und damit der Großteil der Sonnenmark – ist ebenes Land, das in einer langgestreckten Senke liegt, deren Gestalt sich durch Verschiebungen im Lauf des Radrom immer wieder leicht verändert. Besonders im Herbst, wenn der Fluss durch die Regenmassen anschwillt und über die Ufer tritt, verwandelt sich die gesamte Region in einen gewaltigen Morast.

Die Grenzen der Sonnenmark verschieben sich häufiger, je nachdem, ob die Praioraner oder ihre Widersacher die Oberhand behalten. Gänzlich zu kontrollieren ist die Region kaum, da es keine Garnisonen außerhalb der Mauern von Beilunk gibt und meistens nur Feldlager aufgeschlagen werden. Der Einfluss Beilunks erstreckt sich aber grob bis zur Baronie Natterngras und umfasst auch einige Teile von Drîleuen, Borobunth und Greifenau – wenngleich der Radrom es erschwert, die Gegenden zu halten, die an seinem Westufer liegen.

 

Die Fürstkomturei Tobimora

Nach dem Ende des Heptarchen Xeraan stellte der maraskanische Fürstkomtur weite Teile dessen ehemaligen Reiches 1029 BF als Fürstprotektorat Tobimora unter seine Herrschaft. Im Boron 1032 BF erhob Haffax schließlich Mendena zur Hauptstadt der Fürstkomturei und ordnete die tobrischen Eroberungen neu. Im Norden vom Dogul und im Westen vom Radrom begrenzt, befi ndet sich der Staat in Nachbarschaft zum freien Herzogtum Tobrien, der Warunkei und der Sonnenmark Beilunk. Da sich das weite Land nicht vollständig von Haffax’ Soldaten kontrollieren lässt, ist nach wie vor
der Name zutreffend, der sich schon unter Xeraans Herrschaft prägte: die Piratenküste. Die Fürstkomturei Tobimora ist aller militärischer Strukturen zum Trotz weniger ein streng hierarchischer Staat als vielmehr ein Schmelztiegel der Völker, der von dem Willen des Fürsten zusammengehalten und gegen äußere Feinde verteidigt wird.

Während in den wenigen Städten und Häfen das Leben pulsiert, sucht die tobrische Landbevölkerung, deren Heimatverbundenheit sie nicht fortgelassen hat, wie seit fünfzehn Jahren den verschwiegenen Schutz der Dorfgemeinschaft. Abseits der Zentren von Haffax’ Herrschaft herrschen mitunter Zustände wie in der Wildermark. Lokale Herrscher kommen und gehen, mal hat man es besser unter ihnen, mal schlechter. In diesen Zeiten baut man auf das, was man kennt: die vertraute Gemeinschaft. Dem Fremden gegenüber bleibt man misstrauisch, allenfalls arrangiert man sich mit ihm, und auf hoffnungsvolle Versprechen gibt man schon lange nichts mehr. Dies führt dazu, dass die Dörfer des Hinterlandes sich immer mehr abkapseln – abgesehen von jenen wagemutigen
Seelen, die in der Stadt oder im Dienst des Fürstkomturs ihr Glück machen wollen.